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DEUTSCH-SCHWEDISCHER VEREIN GREIFSWALD E.V.
      
               Katastrophen, Seuchen und Mord in Schweden - Folge 5

Die letzte Hinrichtung in Schweden


Am 23. November 1910 wurde der Raubmörder Johan Alfred Andersson, der sich selbst Ander
nannte, durch den Scharfrichter A.G. Dalman im Gefängnisgarten von Stockholm auf Långholmen hingerichtet.
Die Hinrichtung erfolgte nicht mit dem Henkersbeil, sondern erstmals mit einer aus
Frankreich importierten Guillotine.
Johan Ander hatte am Morgen des 05. Januar 1910 „Gerells växlingskontor“ in der Nähe des
Gustav-Adolf-Platzes in Stockholm betreten. Ein Kohlenträger fand wenig später die Kassiererin Victoria Hellström bewusstlos in ihrem Blut liegend erschlagen und mit einem großen Loch im Kopf vor. Die Tür zum Geldschrank stand offen. Fräulein Hellsten verstarb kurze Zeit später im Serafin Krankenhaus; sie war Opfer eines Raubmordes geworden. Der Mörder konnte noch in den Nachtstunden gefasst werden; seine Spuren hatten die Polizei in das Wohnhaus seines Vaters nach Karlsudd bei Vaxholm geführt. J.A. Ander hatte in einem Hotel eine Tasche hinterlassen, in der man u.a. blutverschmutztes Geld und ein auf ihn ausgestelltes Priesterzeugnis (prästbetyg) fand.

J.A. Ander 1873 geboren schlug sich einige Zeit als Kellner u.a. in vornehmen Hotels, z.B.
Grand Hotel und der Hamburger Börse, in Stockholm durch. Seine Heirat mit einer Kassierein
brachte ihm etwas Geld ein und so konnte er seinen Traum, Kellermeister zu werden, in Finnland, später in Rimforsa und Strängnäs umsetzen. Aber er machte mehrfach Konkurs; Alkohol, Schiebergeschäfte und ein Einbruch brachten ihn ins Gefängnis auf Långholmen. Offenbar nach seiner Entlassung entstand der Plan für einen erneuten Einbruch, da sein Vater auf Karlsudd, ein alter Schiffer, ihn nicht länger in seinem Haus dulden wollte. Und so wurde er ein brutaler Mörder, nur deshalb „berühmt“ weil er der erste und letzte Mörder in Schweden ist, der durch eine Guillotine hingerichtet wurde.


Der Scharfrichter Albert Gustav Dalman war 1885 zum Scharfrichter von Stockholm bestallt worden und führte dieses Amt über 35 Jahre bis zu seinem Tode im Alter von 72 Jahren (1920) aus.
Insgesamt waren 6 Mörder von ihm hingerichtet worden. Bei zwei Hinrichtungen hatte er sein Amt nicht „sauber“ versehen und so wurde 1906 durch einen Reichstagsbeschluss und den König festgelegt, in Frankreich eine Guillotine zu erwerben. Wegen Zollprobleme verzögerte sich die Lieferung, dann war man in den Stockholmer Gefängnissen nicht an dieser Todesmaschine interessiert; sie verschwand in einem Schuppen auf Långholmen Durch einen Zufall stieß der Scharfrichter auf diese Maschine, setzte sie zusammen und befand sie für funktionstüchtig. Sie steht heute im „Nordischen Museum“ in Stockholm und ist in gewisser Hinsicht von historischer Bedeutung, denn sie wurde erstens am 23. November 1910 erstmals von Scharfrichter A.G.Dalman in Gang gesetzt; zweitens wurde mit ihr in Schweden zugleich das letzte Todesurteil vollstreckt; und drittens fand diese Guillotine in Schweden nur ein mal Anwendung als Todesmaschine. Die Todesstrafe wurde in Schweden offiziell erst 1921 abgeschafft.

Noch eine kurze Anmerkung: Die Guillotine ist eine französische Erfindung und wurde zunächst nach ihrem Erfinder A. Louis vom College des Chirurgiens in Paris als „louison“ bzw. „louisette“ bezeichnet. 1789 setzte dann Joseph Ignace Guillotin als Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung durch, ein Todesurteil in Frankreich für alle auf gleiche Weise zu vollziehen und zukünftig nicht Angehörige des Adels zu köpfen und Bürger des dritten Standes zu hängen.
So bekam diese Todesmaschine den Namen Guillotine.

Quellenangabe: Borge Held, Brott som skakat Sverige, Stockholm 1989; Jan-Öjvind Swahn,
Svenska mord, Bromma 2004; Hans Dalberg, Hundra år i Sverige. Krönika över ett dramatisk
sedel, O.O.,o.J.
Günther Politt