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DEUTSCH-SCHWEDISCHER VEREIN GREIFSWALD E.V.
      
               Katastrophen, Seuchen und Mord in Schweden - Folge 4

„Bokstensmannen“ – ein Mordfall im 14. Jahrhundert

 

Irgendwo in den Wäldern bei Varberg in der Provinz Halland geschah vor vielen Jahrhunderten, im tiefsten Mittelalter, ein Mord. Die Leiche wurde in einem Moor vergraben. Nach rund 600 Jahren wurde dieser Mord, der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhundert erfolgt war, durch einen Zufall entdeckt.

Es war zu Mittsommer des Jahres 1936 als ein kleiner Bub namens Thure, der mit Pferd und Harke auf einem Torfmoor torvströ sammeln wollte, einen grausamen Fund machte: eine mit Kleidern angezogene guterhaltene Leiche, die im Moor nicht verwesen konnte. Ein Mann “låg i en torvmosse med tre stora pålar rakt genom kroppen. Mördaren slog ner pålarna för att den döde skulle ligga kvar och inte gå upp och spöka”. Der Mann war im Moor vergraben worden, und die Pfähle sollten ein Wiedererscheinen verhindern. Der Körper war mit drei Pfählen durchbohrt worden, einer oberhalb der Hüfte, ein zweiter in der Herzgegend, der dritte in der Hüftregion; ein vierter Pfahl war durch den Mantel geschlagen worden. Sein Alter wurde auf 20 bis 35 Jahre geschätzt, er war etwa 170 cm groß, seine lockigen Haare waren rötlich. Die Kleidung bestand aus zwei hellen Strumpfhosen aus Wolle, einer Art rötlich-bräunlichen langärmligen Bluse, einem dunklen Rock (Mantel) und einem dunklen Kopfschutz, eine Art Kapuze. Er hatte ein paar Schuhe an. Solche Kleidung trug man in Schweden vor etwa 700 Jahren. Er hatte zwei Messer bei sich,“ knivbladen hade rostat, men skaften och fodralen var kvar“. Und es fand sich eine kleine Lederasche mit mystischen Zeichen, vielleicht ein Geldbeutel.

Bokstensmannen heute im Museum

Den Namen erhielt der Ermordete nach dem Fundort, dem Hof (gården) Boksten. Der herbeigerufene Polizeikommissar wollte das Skelett auf dem Friedhof beisetzen; der Chef des Museums von Varberg aber sagte: “Nej, vi tar honom till museet i varbergs fästning.“ Und so geschah es auch. Sein unfreiwilliges Grab im Moor ist im Museum zu Varberg nachgestaltet, so wie man den Ermordeten gefunden hatte. Durch Fensterglas ist alles gut zu sehen, das Moor, das Skelett der Leiche, die roten Haare und die Pfähle.

Wer war dieser Mann? Warum wurde er umgebracht? Auf diese Fragen wurden mehrere Erklärungen versucht, bewiesen ist keine. 1. Der Mann sei auf dem Wege zu den Bauern in Halland gewesen, um Soldaten zu werben, war aber nicht willkommen. “Vi vill inte bli soldater“, sagten die Bauern. ”Alla måste bli soldater”, war seine Antwort, dann schlug man ihn tot und versenkte die Leiche im Moor.
2. Andere meinen mit Bezugname auf die Kleidung er war ein Geistlicher, “en domprost i Linköping, en mäktig man“; aber er hatte einen Feind, der auch Domprobst werden wollte und ihm einen Hinterhalt gelegt hatte. 3. Vielleicht war der Mann auch nur ein Bauer und hatte Geld bei sich, das er beim Verkauf einer Kuh auf dem Markt in Varberg erworben hatte. Räuber, von denen es in den Wäldern von Halland in dieser Zeit viele gab, raubten ihn möglicherweise aus, ein gewöhnlicher Raubmord.

Nachzulesen bei Lars Westman/Lennart Eng, Bokstensmannen, Arlöv 1996
G. Politt