Deutsch-Schwedischer Verein
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DEUTSCH-SCHWEDISCHER VEREIN GREIFSWALD E.V.
      
             Katastrophen, Seuchen und Mord in Schweden - Folge 3

Tärningskast - Würfeln als Gottesurteil

Adam von Bremen berichtete aus dem Land der Svear und Göten, Schuldige im Falle von Mord und Totschlag wurden oftmals durch lottkastning (Losentscheid) ermittelt. Im Mittelalter war dies eine gängige Form, um zu einem Gottesurteil zu kommen und Schuld zu erfassen. Gustav II Adolf hatte in das Kriegsstrafrecht tärningskast, das Würfeln als eine spezifische Form von Losentscheid, eingeführt. Dieses galt bis 1868. In das Zivilrecht fand tärningskast bei Mord und Totschlag 1724 Eingang, es wurde 1841 wieder abgeschafft. Zwei oder mehrere des Mordes in Verdacht Stehende würfelten um ihr Leben; der Verlierer wurde als von Gott überführter Mörder hingerichtet. Drei Beispiele einer unmenschlichen Täterermittlung sollen angeführt werden.

1. Eric Jacobsen, ein torpare (Kätner), und Carl Hinrichsen, ein bonde (Bauer), waren im Dezember 1774 auf die Insel Värmdö gefahren. Ein Zöllner verlangte beim Landgang Zoll, was beide verweigerten. Handgreiflichkeiten führten zur Schlägerei, der Zöllner wurde erschlagen. Das Gericht vermochte nicht festzustellen, wer der beiden den Tod zu verantworten hatte und setzte am 21. November 1775 die Würfel ein, ein Holzbecher und zwei Würfel. Im ersten Wurf hatte jeder der beiden 9 Augen vorgelegt, im zweiten erhielt der Bauer zehn, der Kätner sieben. Gott hatte somit den Schuldigen nachgewiesen, dem zunächst die rechte Hand abgehackt wurde, dann wurde Jacobsen geköpft und sein Körper zur allgemeinen Abschreckung auf ein Wagenrad gebunden. Der Gewinner des Würfelns erhielt 40 paar spö (Ruten) und musste 8 Jahre Strafarbeit in der Festung Sveaborg ableisten.

2. Letztmalig wurde das Würfeln (um das Leben) in Schweden am 22. April 1807 angewandt. In einer Wirtshausschlägerei in Hans Hallbergs krog bei Rödaled (auf dem Weg zwischen Vaxjö und Kristianstad) war ein Lumpensammler erschlagen worden. Drei vor das Gericht Gestellte wurden zum Tode verurteilt; das Oberste Gericht aber entschied, nur einer der drei kann wegen Mord verurteilt werden und verlangte, tärningskast einzusetzen. Der erste Angeklagte, ein Salpetersieder, würfelte eine 11, dann war das Ehepaar dran, jeder der Eheleute legte eine fünf vor; im entscheidenden zweiten Wurf kam die Ehefrau auf 12 Augen, der Ehemann kam nur auf 7 und wurde zur Hinrichtungsstätte geführt. Die Ehefrau wurde mit ris (Rute) bestraft und musste bis zum Lebensende in einem Spinnhaus verbringen, der Salpetersieder wurde mit spö (Ruten) bestraft und in die Festung Karlsten auf Marstrand bei Göteborg gebracht.

3. Selma Lagerlöf hatte in ihrem Roman „Löwensköldska ringen“ einen ungewöhnlichen Fall aus Edeby in Sörmland aufgegriffen. Drei Bauern hatten einen länsman erschlagen, das Gericht aber vermochte nicht herauszufinden, wer den Mord letztlich zu verantworten hatte. Man wandte sich an den König, und Gustaf III entschied, tärningskast anzuwenden; der Verlierer soll hingerichtet werden. Dann trat das Ungewöhnliche ein: mit dem ersten Wurf legte jeder der drei Angeklagten eine eins hin, beim zweiten Wurf erreichte jeder eine drei und beim dritten Wurf legte jeder eine sechs hin. Nun gab Justitia auf: die drei angeklagten Bauern erhielten alle lebenslängliche Festungshaft.

Günther Politt