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DEUTSCH-SCHWEDISCHER VEREIN GREIFSWALD E.V.
      
                Katastrophen, Seuchen und Mord in Schweden - Folge 2

Fimbulvintern

 

Die Vor- und Frühzeit im Norden Europas ist durch drei große Perioden menschlicher Besiedelung gekennzeichnet: die Steinzeit (5 000 – 1 500), die Bronzezeit (1 500 – 500) und die Eisenzeit (ab 500 v. Chr.) In der Bronzezeit überwogen Eichen und Laubwälder (vor allem Ulmen); in weiten Teilen Schwedens gediehen infolge einer Art Mittelmeerklima Weintrauben und Aprikosen; Auerochsen und Riesenhirsche durchstreiften Wälder; in Mittelschweden tummelten sich Wildschweine; in Sumpfgebieten war die Sumpfschildkröte heimisch. Der Historiker Alf Henrikson spricht von einem „menschenfreundlichen“ Klima.

Am Ende der Bronzezeit kam es zu einer dramatischen Klimaveränderung mit schwerwiegenden Auswirkungen auf Fauna, Flora und den Menschen. Die Temperaturen sanken gewaltig, viele Pflanzenarten starben aus, Gerste und Roggen überlebten und passten sich an; Viehzucht wurde zu einer wichtigen Nahrungsgrundlage für Menschen. Die Baumgrenze ging zurück und lag über ein Jahrtausend viel niedriger als gegenwärtig; viele Gletscher rückten wieder vor, Seen versauerten.

Die um 600 v.Chr. einsetzende Klimakatastrophe brachte kalte schneereiche Winter, der Jahresniederschlag steigerte sich erheblich und führte zu regenreichen, kalten und kühlen Sommer. Nässe ließ Torfschichten rascher wachsen. In den Wäldern ging der Eichenbestand stark zurück und die Ulme verminderte sich drastisch. Die augenscheinlichste Veränderung war die Invasion von Tannen und Fichten aus dem Nordosten; von Süden her verbreitete sich die Buche, Kiefer und Birke setzten sich in höheren Lagen durch. In den Wäldern gingen Wildkatze und Luchs zurück, das Rotwild begann nun zu dominieren. Über 500 Jahre stagnierte die menschliche Entwicklung, die Bevölkerungszahl verringerte sich erheblich. Erst um 200 v. Chr. finden sich Nachweise neuer Rodungen und von Urbarmachung. Es ist dies eine Zeit auffälliger Fundarmut, winterhartes Getreide und warme Bekleidung waren erforderlich. Der Handel mit südlichen Ländern war so gut wie zum Erliegen gekommen. Eisen hatte die Bronze abgelöst.
Den Namen Fimbulvintern für diese Klimaveränderung verdanken wir dem Biologen Johan Rutger Sernander (1866-1944). Er hatte herausgefunden, dass viele Pflanzenarten plötzlich ausgestorben waren; Pollenanalysen in den Torfschichten ließen ihn zu der Erkenntnis einer Katastrophe kommen. Das Wort stammt von dem frühnordischen „fimbulveir“ ab und bedeutet „der große Winter“. In der frühnordischen Mythologie ist der große Winter der Vorbote des Weltuntergangs (ragnarök). In SnorresEdda folgen drei lange Winter aufeinander begleitet mit schrecklichen Kriegen, Mord und Totschlag. Danach folgen weitere drei schwere Winter mit

Schneegestöber von allen Seiten, mit strenger Kälte und beißenden Winden; und die Sonne verdunkelte sich. Forschungsergebnisse belegen heute, dass vor über 2 500 Jahren ein grundlegender Klimawandel erfolgte, der auch auf Grönland und in Afrika nachweisbar ist. Der Naturgeograph Wibjörn Karlén hatte Jahresringe von Bäumen analysiert und sie mit der C-14-Methode verglichen und u. a. in der Zeitschrift Populär Historia 6/1995 geschlussfolgert: eine Ursache können Veränderungen der Sonnenstrahlung, die in dieser Periode relativ schwach war, sein. Eine andere, teilweise auch begünstigende Ursache können große Vulkanausbrüche gewesen sein.

 

Günther Politt