Deutsch-Schwedischer Verein
 Aktuelles
 Themen
 Bilder
 Gästebuch
 Mitglied-Login
 Impressum
 Kontakt
 Links
 
 
DEUTSCH-SCHWEDISCHER VEREIN GREIFSWALD E.V.
      
               Katastrophen, Seuchen und Mord in Schweden - Folge 10

Digerdöden - der Schwarze Tod 1347 - 1351


„Digerdöden är historiens värsta katastrof“ (Dagens Nyheter, 06. 01. 2005); die Pest raffte in Europa über 23 Millionen Menschen hin, etwa ein Drittel der Bevölkerung des Kontinents. Diese Epidemie trat in zwei Formen auf, der Beulenpest und der Lungenpest. Ihren Namen als schwarzer Tod erhielt sie infolge der schwarz-blauen Beulen in Achselhöhlen und Lendengegend. Der Tod trat fast immer innerhalb von drei Tagen ein. In Schweden erhielt dieser Tod den Namen „digerdöden“, der große, der gewaltige Tod. Ihren Ursprung hatte die Epidemie in Ostasien; von China und Indien kam sie vermutlich über die Seidenstraße nach Europa und erreichte im Frühjahr 1346 eine genuesische Handelsniederlassung auf der Krim. Nach Italien eingeschleppt wurde sie dann durch Schiffe aus Genua. Tataren hatten die Stadt Kaffa auf der Krim belagert; um die Stadt zu stürmen, warfen sie an der Pest gestorbene Menschen mit Wurfmaschinen in die Stadt. Nur wenige Bewohner konnten sich auf genuesische Schiffe retten. Von Genua aus verbreitete sich die Pest über den Kontinent bis nach England. An der Ostseeküste machte sie 1348 halt, aber nur für kurze Zeit.
Nach Schweden kam die Pest von Dänemark und Norwegen Ende 1349. Im Sommer 1349 war ein Schiff aus England in den Hafen von Bergen eingesegelt; die gesamte Besatzung war tot. Und so verbreitete sich die Epidemie von Bergen aus auf der skandinavischen Halbinsel. Bereits zur Weihnachtszeit 1348 war ein englisches Handelsschiff bei dem Hof Ugelstorp in Vendsyssel an der Küste Jütlands gestrandet. Auch hier war die Besatzung tot. Mit dem Entladen der Ladung durch Bewohner des Ortes kam auch die Pest ins Land; 1349 breitete sie sich über ganz Dänemark aus, keine Stadt, kein Dorf, kein Kloster blieben verschont. In Norwegen und Schweden blieben nur Teile der nördlichen Regionen verschont. Norwegen hatte es am stärksten getroffen, 2/3 der Bevölkerung fielen der Pest zum Opfer. In Schweden erreichte die Epidemie 1350 ihren Höhepunkt. Von 600 000 Einwohnern starben mehr als
200 000.
Wo die Pest Städte und Siedlungen erreichte, starb über die Hälfte der Bewohner. Besonders betroffen waren die Provinzen Uppland, wo nur 1/6 der Bevölkerung überlebte, Västergötland, Värmland und Småland. Die Pest verschonte weder Adlige noch Priester. In Norwegen starben vier der fünf Bischöfe, und nur 60 der 300 Adelsfamilien überlebten die Epidemie; im schwedischen Stift Skara waren es nur 43 der 500 Priester. Viele Dörfer und tausende Bauernhöfe waren über Jahrzehnte „wüst“ und wurden oft erst nach mehr als hundert Jahren wieder nach und nach besiedelt.
Bischof Hans Brask in Linköping musste noch 1524 in einem Kirchenbrief darauf hinweisen, dass immer noch vieles öde daliegt seit dem schwarzen Tod. Unter den Opfern in Schweden waren auch die Herzöge Håkan und Knut, Halbbrüder des Königs Magnus Eriksson.
Die Pest wurde in vielen Teilen Europas als Gottesgericht betrachtet. Die eigentliche Ursache, der Pestbazillus, durch Ratten und Flöhe übertragen, begünstigt durch Schmutz und Unrat in Siedlungen und Städten, war nicht bekannt; Unterernährung infolge Missernten hatte die rasche Verbreitung gefördert. König Magnus Eriksson erklärte den Freitag zu einem Fasten- und Bußtag; außerdem sollte jeder Schwede einen „penning“ (Pfennig) für die Jungfrau Maria opfern. Auch der inzwischen nach Schweden gekommene und gepriesene „brännvin“ blieb wirkungslos.
Zwei Folgeerscheinungen mit ihren verheerenden Auswirkungen auf dem Kontinent waren im Norden nicht eingetreten: Hier gab es weder Geißelumzüge, mit denen die sog. Flagellanten der Pest Herr werden wollten, noch die grausamen Judenpogrome, bei denen vor allem in der Schweiz, in Frankreich, Deutschland und in Polen tausende Juden erschlagen und erstochen sowie in Kirchen und auf Scheiterhaufen verbrannt wurden. Die verheerende Pest verlor 1351 ihre Wirkung. Immer wieder aber brach sie mit unterschiedlicher Härte aus. 1412 erlag die dänische Königin Margaretha auf einem Schiff in Flensburg dieser heimtückischen Krankheit. Island war 1350 verschont geblieben, 1402 jedoch schwer getroffen; innerhalb von zwei Jahren starben etwa 66 % der Bevölkerung. Schweden wurde bis ins 18. Jahrhundert von insgesamt 41 „pestfarsoter“ (Pestseuchen) erfasst. Und Dagens Nyheter hatte es auf den Punkt
gebracht::„Digerdöden ist die schlimmste Katastrophe der Geschichte.

Günther Politt