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DEUTSCH-SCHWEDISCHER VEREIN GREIFSWALD E.V.
      
                Katastrophen, Seuchen und Mord in Schweden - Folge 1

MS Stockholm / Völkerfreundschaft

Die M/S Stockholm am 25. Juli 1956 - eine Schiffskatastrophe

Auf der Fahrt von Genua nach New York geriet der italienische Luxusliner „Andrea Doria“ vor der Küste Neuenglands 200 Seemeilen vor New York in eine Nebelwand und kollidierte gegen 23 Uhr mit der „M/S Stockholm“ von der Svenska Amerika Linien. Die Kapitäne beider Schiffe sahen im dichten Nebel die plötzlich auftauchenden Lichter des jeweils anderen auf sich zukommen, eine Kollision war kaum mehr zu vermeiden. Der Bug der Stockholm bohrte sich mit einem mächtigen Stoß, sprühenden Funken und ohrenbetäubendem Lärm von berstendem Stahl in den Rumpf der Andrea Doria, die wegen ihrer modernen Schottenkonstruktion als unsinkbar galt. In kurzer Zeit erhielt sie Schlagseite und versank im Morgengrauen in den Fluten des Atlantik. Die im Jahre 1948 auf Götaverken erbaute Stockholm war für Fahrten in das Eismeer mit einem stahlverstärkten Bug ausgerüstet, der den Schaden an dem italienischen Luxusliner noch bedeutend verstärkt hatte.

Die Stockholm büßte 10 Meter ihres Bugs ein, konnte aber aus eigener Kraft mit den geretteten Passagieren und Besatzungsmitgliedern nach New York zurückkehren. 46 Passagiere der Andrea Doria und 5 Besatzungsmitglieder der Stockholm wurden Opfer dieser Kollision. 1692 Passagiere und Besatzungsmitglieder des italienischen Kreuzfahrtschiffes konnten gerettet werden. Nach dem Untergang der Titanic war diese Schiffskatastrophe eine der bis dahin schwersten im Atlantik.

Der Kapitän der Andrea Doria hatte in dem irrigen Glauben, der Stockholm mehr Manövrier-spielraum zu geben, den Kurs nach Erblicken der Lichter umgehend geändert; diese Kursänderung aber wurde dem Kreuzfahrtschiff zum Verhängnis.
Die Schuldfrage konnte später nicht endgültig geklärt werden. Zum Zeitpunkt der Kollision soll auf der Andrea Doria ein Bordfest stattgefunden haben. Und der Kapitän hatte beim Verlassen seines sinkenden Schiffs die Logbücher nicht mitgenommen. Als später Taucher diese bargen, lieferten sie keine eindeutigen Anhaltspunkte.

In New York erhielt die Stockholm ein neues Vorschiff. 1958 wurde sie von der DDR gekauft, auf Götaverken in Göteborg 1959 umgebaut und modernisiert und als „Völkerfreundschaft“ am
3. Januar 1960 in Dienst gestellt. 25 Jahre brachte die Völkerfreundschaft als Kreuzfahrtschiff des FDGB vor allem FDGB-Urlauber von und nach Cuba, aber kreuzte auch im Mittelmeer und in der Ostsee. 1985 wurde sie verkauft und ging in den Besitz einer panamesischen Company über. Die Schiffskatastrophe vor Neuengland hatte für die Stockholm die für sie vielleicht entscheidende Wende eingeleitet.

Die „Völkerfreundschaft“

Günther Politt